Am Beispiel von zwei Kunstwerken aus der DDR spricht Dr. Claus Löser mit Gabriele Stötzer und Steffen Reck über die Motivationen ihrer durchaus unterschiedlichen Arbeiten und über deren Wirkung auf Publikum und Gesellschaft.
Gabriele Stötzer: Veitstanz/Feixtanz
Dok DDR 1988, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produktion: Gabriele Stötzer, 25 Minuten
Das Phänomen des Veitstanzes entstand im Mittelalter, als sich Gruppen von Erwachsenen und Kindern öffentlich in die Bewusstlosigkeit tanzten. Im Jahr 1988 in Erfurt verwandelten 13 Frauen und Männer die Kraft eines solchen Rituals in ein künstlerisches Statement.
„Dieser Film, der in der DDR – dem Land der sozialistischen Diktatur – gedreht wurde, ist ein Ausdruck der Freiheit, die uns allen innewohnt, wenn wir sie uns nehmen“
Gabriele Stötzer
Theater Zinnober: Die Jäger des verlorenen Verstandes
Dok D 2024, Regie: Sylvie Kürsten + Steffen Reck, 17 Minuten
Der Film wird präsentiert mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
„Beim dritten Puppentheaterfestival (der DDR) in Magdeburg 1982 erhielt die Inszenierung den „Förderpreis des Ministers für Kultur für die Weiterführung der Kasperspieltradition“. Der Preis wurde quasi für dieses Event erfunden, denn einen Festivalpreis wollte man nicht an die Gruppe vergeben. Damit wurde zwar eine offizielle Anerkennung geschaffen, aber die Gruppe sollte immer wieder in die Illegalität gedrängt werden, was sich in zahlreichen Auftrittsverboten auswirkte. Gleichwohl wurde das Stück noch bis 1989 mit großem Erfolg in der DDR, später auch in Holland und Westdeutschland vor zahlreichem Publikum gespielt.“
www.reckweb.de
Die Bühne von „Die Jäger des verlorenen Verstandes“ war 1997 Teil der Ausstellung „Boheme und Diktatur in der DDR“ und wurde später von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angekauft.
Sie ist – wie der Film auch – Bestandteil der Puppentheatersammlung im Dresdner Kraftwerk Mitte.
Gabriele Stötzer studierte an der Pädagogischen Hochschule Erfurt, wurde Mitte der 1970er Jahre aus politischen Gründen exmatrikuliert und für ein Jahr inhaftiert. Seit 1980 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Nach 1990 veröffentlichte sie Bücher, war an mehreren internationalen Ausstellungen beteiligt und arbeitete als Dozentin für Performance an der Universität Erfurt.
Steffen Reck ist Gründungsmitglied der Theatergruppe Zinnober (1979), hier unter anderem Regisseur von „Die Jäger des verlorenen Verstandes“ (1982) und Darsteller bei „traumhaft“ (1985). Er arbeitet als unabhängiger Filmemacher in Berlin-Kreuzberg. Sein Film „gesicherte ufer“ (1990) wurde 2023 im Rahmen des Programmes „Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen“ digitalisiert. 1996 zeigte Steffen Reck mit Gamma Bak und Werner Hennrich beim Off Europa-Vorgänger MANöVER das Theaterstück „In der Vermutung der indirekten Ampelfarbe Gelb“.
Dr. Claus Löser studierte Film in Potsdam-Babelsberg und promovierte über unabhängige Künstlerfilme in der DDR. Er arbeitet als Filmkritiker, Filmemacher, Autor und Kurator.
Leipzig
Mittwoch, 22. April 2026, 20 Uhr
die naTo Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig (0341) 30 14 397 www.nato-leipzig.de
Zeitfenster der Veranstaltung (1)
Mittwoch, 22. April
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