„Heute höre ich auf, echt zu sein. Denn niemand hört den echten Menschen zu. (…) Die Leute glauben, dass gespielte Rollen sicherer sind, weil sie nicht real sind. Deshalb werde ich heute versuchen, mich hinter der Figur von Bambi zu verstecken. Ich versuche es. Bitte lass(t) mich nicht vergessen. Es war eine schöne Nacht. Und die Sonne war da.“
Ein poetisch-apokalyptischer Erzähler, der auch den Sound erzeugt, eine Gestalt mit Kaspar-Hauser-Anklängen, ein liebenswertes Fabelwesen – Çağlar Yiğitoğulları präsentiert Figuren, die verzweifelt um Sichtbarkeit kämpfen.
Entstanden im White Cube der Spielstätte Essigfabrik des Lübecker (Stadt-)Theaters, wird die minimalistische, kaum Schutz bietende Laborsituation zunehmend zu einem Ort der Bestandsaufnahme von – was den Künstler einschließt – prekärem, nicht zuletzt migrantischem Leben.
Inspiriert von Fluxus und Punk, ist „Who Killed Bambi“ eine Art Hilfeschrei mit theatralen Mitteln, eine gnadenlos subjektive, sehr sensible, vor allem radikal ehrliche Sicht auf gesellschaftliche Kälte und menschliche Brutalität, auf Unterdrückung und Fremdbestimmung. Bekennend kurz vor Wutausbruch, Verzweiflung und Resignation.
Çağlar Yiğitoğulları wurde 1977 in Ankara geboren. Nach der Schauspielausbildung ging er nach Australien, wo er zusätzlich zwei Jahre Tanz studierte. Während seines 15-jährigen Engagements am Istanbuler Stadttheater begann er mit hohem körperlichen Einsatz und Risiko im Bereich Performance zu experimentieren und präsentierte seine Arbeiten bis heute in mehr als 20 Ländern. 2017 verließ er seine türkische Heimat wegen der begrenzten künstlerischen Freiheit in Richtung Deutschland und arbeitete unter anderm in München, Berlin und Hamburg. Seine letzten Stücke entstanden in Rumänien und in Lübeck.
Çağlar Yiğitoğulları zeigte 2012 bei „Off Europa: Türkei urban“ das Solo »Diss & Luvstory« und war Performer in »Cam Adımlar« (glaSSteps) von Ilyas Odman.
Konzept, Text, Sounds, Performance Çağlar Yiğitoğulları
Musikalische Beratung Paşa Çelik
Die Aufführung wurde ausgezeichnet und gefördert mit dem Kulturfunke*-Preis für Innovation & Experiment 2025 der Lübecker Possehl-Stiftung.
Aufführung in deutscher Sprache
Dauer etwa 45 Minuten
Achtung In der Performance wird reales Blut zu sehen sein
Altersfreigabe 16+
Leipzig
Samstag, 18. April 2026, 20 Uhr
LOFFT – DAS THEATER Spinnereistraße 7, Halle 7 04179 Leipzig (0341) 355 955 10 www.lofft.de
Zeitfenster der Veranstaltung (1)
Samstag, 18.April
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